Protestdemokratie und eine Utopie dazu

12.000 waren auf der Straße – so die Zahlen der Organisatoren. In der Presse ist die Rede von der Protestdemokratie Deutschlands. Ist die Demo vorbei, geht’s mit einem guten Gefühl nach Hause. Und dann? Ist Protest nur, sich in einer homogenen Masse auf die Straße zu begeben? Sicher nicht.
Wenn der Castor rollt, wird sich angekettet – oder es wird geschottert. Proteste gegen Stuttgart 21 nutzen auch mal Betonblöcke.
Und was wird gemacht, wenn es gegen Regierungsentscheidungen zur Finanzierung der Zukunft geht? Es wird geredet, nach „Neuwahlen“ geschrieen, es werden in der großen Masse Parolen skandiert und auf dem politischen Weg das Gespräch gesucht. Ist es möglich auch in kleineren Gruppen die politischen Wege in Frage zu stellen? Auch, wenn es keine Anmeldung für ein Gespräch im Landtag gibt? Auch, wenn die dämlich grinsenden Fratzen auf ihrer Treppe stehen und die Menschen im Schutz der bestellten Hundertschaften auslachen?

Ja, das muss gehen.

– Ansprechpartner –
Wo lassen sich scharzgelbe, vielfaltblinde, Partei angepasste Entscheidungstragende erreichen? An dem Platz, wo sie arbeiten – ihre Büros. In der Kürzungsdebatte sind es die Büros der CDU- und FDP-Fraktion im Landtag, die „Bürger“büros der Scharzgelben und Unlands Finanzminsterium.

– Zuhören –
Zugehört wird erst, wenn möglichst viele Menschen davon wissen. Der unschlagbare Multiplikator dafür ist die Presse. Und durch die Jagd nach Sensationen braucht es gute Sensationen. Und eine Demo ist keine Sensation mehr.
Eine Sensation ist es, wenn Büros an dutzenden Orten in Sachsen nicht mehr nutzbar sind und die Presse davon weiß. Dafür braucht es eine schnelle Kommunikation mit der Presse und öffentlichen Stellen; eine unabhängig arbeitende Gruppe, die immer auf dem aktuellen Stand ist, ohne selbst zurückverfolgbar und blockbierbar zu sein, um Informationen schnell weiterzutragen.

– Sensationen –
Lasst uns lernen: Flashmobs, Demos, Besetzungen, Blockaden, Generalstreiks, brennende Autos, Bombendrohungen und -anschläge, Entführungen. Es braucht vermutlich immer erst das eine, bevor das nächste passiert. Demos gab es dieses Jahr bereits zwei. Es wird Zeit für Besetzungen und Blockaden.

– Gruppen –
Aufgrund der örtlichen Distanz der sinnvoll anvisierten Objekte benötigt es viele Aktive; viele Aktive, die sich in kleinen Gruppen unterstützen, nur wissend, welcher Zeitpunkt günstig ist. Mehr Kommunikation sollte es nicht bedürfen. Zur richtigen Zeit am anderen Ort.

– Recht –
Eine juristisch versierte Gruppe ist unerlässlich. Ansprechpartner für viele, unabhängig des Anfragenden, nur über einen oder zwei Wege erreichbar. Das aber rund um die Uhr. Und unabhängig des jeweiligen juristischen Problems arbeitsfähig.

Geht das so?

Wenn über Demonstrationen nur noch geschmunzelt wird,
wenn keine Petition mehr hilft,
wenn Argumente polemisch abgeschmettert werden,
wenn Entscheidungstragende es einfach „besser“ wissen,
dann schimpfe ich am Stammtisch darüber,
dann setze ich mich vor den Fernseher,
dann höre ich weg,
dann weine ich mich in den Schlaf.
Oder etwa nicht?

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